Lehr- und Versuchsanstalt für Milchwirtschaft

der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein



 Die Geschichte der LVAMArtikel drucken Artikel als eMail versenden  


Im Jahre 1935 wurde in Malente durch die damalige Landesbauernschaft eine Molkereilehranstalt errichtet.

Der erste Lehrgang für Molkereibetriebsleiter begann am 15. Oktober 1935. Die offzielle Einweihung folgte dann erst zwei Monate später, nämlich am 7. Dezember 1935 Erster Direktor der Lehranstalt war Dr. Hugo Quast.


Im Jahre 1936 wurde gemeinsam mit der Malenter Milchzentrale eine Lehrmolkerei installiert

Unter der Leitung von Dr. Hüttig entwickelte sich die Untersuchungstätigkeit, die bis dahin nur in sehr begrenztem Umfang durchgeführt wurde, zu einer wichtigen Grundlage der Untersuchungsanstalt.

Während des 2. Weltkrieges ruhte die Lehrtätigkeit, die Untersuchungsarbeit hingegen wurde ab 1941 unter der Leitung von Dr. Dörge in geringerem Umfang fortgesetzt.

Im Jahr 1946 erfolgte die Angliederung einer Landesberufsschule für Meieristen. Damit dürfte diese Landesberufsschule eine der ältesten des Landes Schleswig-Holstein sein.

1951/52 wurden dann Schul- und Internatsräume für die Meisterlehrgänge gebaut.

1952 erteilte der Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes Schleswig-Holstein der LVAM den Auftrag zur Untersuchungstätigkeit, was zu einem erheblichen personellen und materiellen Ausbau dieses "neuen" Aufgabenbereiches führte.


Um die Ausbildung im Fach Käserei intensivieren zu können, wurde 1955/56 der Neubau einer Lehrkäserei auf dem Grundstück der Malenter Milchzentrale errichtet.

Auf Anregung von Dr. Dörge begann man im Jahr 1957 mit der Planung eines kompletten Neubaus der Milchwirtschaftlichen Lehr- und Untersuchungsanstalt (MLUA). Am 1.10.1963 waren die Pläne dann soweit gereift und die Finanzierung gesichert, dass endlich mit dem Neubau begonnen werden konnte.



Ende 1967 konnte nach mehreren Bauabschnitten der Neubau der Lehr- und Versuchsanstalt abgeschlossen werden. Es war eine moderne Einrichtung entstanden, mit einer komplett eingerichteten Schulmeierei (damals einmalig in der Bundesrepublik) für überbetriebliche Grundausbildungslehrgänge. Außerdem wurden Assistenten- und Meisterlehrg&aumll;nge durchgeführt.


Im Jahre 1973 wurde dann im Rahmen einer Neuordnung in der landwirtschaftlichen Selbstverwaltung die Untersuchungstätigkeit in Malente eingestellt. Als Konsequenz aus dieser Neuordnung ergab sich ferner, daß auch die Meisterlehrgänge nicht mehr in Malente durchgeführt werden konnten. Somit blieb nur der Bereich "überbetriebliche Ausbildung" übrig. Neuer Leiter der MLUA wurde in diesem Jahr (1973) H.W. Solterbeck. 

Die aufgrund der Umstrukturierungsmaßnahme freigewordenen Räume mietete ab 1974 der Kreis Ostholstein an. Seit dieser Zeit sind dort drei Landesberufsschulen untergebracht.

Als 1983 H.W. Solterbeck in den Ruhestand verabschiedet wurde, übernahm E. Rimkus die Leitung der Lehranstalt.

Im Jahr 1985 wurde die Milchwirtschaftliche Lehr- und Untersuchungsanstalt (MLUA) umbenannt in "Lehr- und Versuchsanstalt für Milchwirtschaft" (LVAM). Damit wurde der Name dieser Institution an die tatsächlichen Verhältnisse angepasst.

Die LVAM ist heute ein anerkanntes Ausbildungszentrum für die Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein und Hamburg mit überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen für Molkereifachleute und Milchwirtschaftliche Laborantinnen und Laboranten sowie der Landesberufsschule für diese Berufe.

Gleichzeitig wird die Einrichtung der LVAM für Versuchszwecke in sehr unterschiedlichen Anwendungsbereichen genutzt.

 Die LVAM vor √ľber 70 JahrenArtikel drucken Artikel als eMail versenden  


Nachfolgend finden Sie einige Auszüge aus einem 1935 veröffentlichten Bericht des 1. Direktors der Molkerei-Lehranstalt Malente, Herrn Dr. Hugo Quast, in dem er nicht nur die gerade neugegründete Anstalt vorstellt, sondern auch einen kurzen Einblick in den Tagesablauf der Molkereischüler gibt.

"Während das Grundstück im Westen an einen herrlichen Buchenwald grenzt, befinden sich nach Osten vor den Gebäuden Gartenanlagen, wovon ein Teil durch eigene Arbeit der Schüler des ersten Lehrganges zu einem Sportplatz hergerichtet worden ist. Auf diesem Platz findet bei jeglichem Wetter des Morgens von 6:20 Uhr bis 6:40 Uhr Frühsport statt. Überhaupt liegt der Tagesplan genauestens fest. Nach dem Frühsport und der Morgenwäsche hat jeder Schüler sein Bett zu bauen und das Zimmer in Ordnung zu bringen. Um 7 Uhr 30 wird Kaffee getrunken, wozu Brot, Butter und Marmelade bereit stehen. Nach dem Frühstück ist noch etwas Zeit zu einem kleinen Spaziergang und dann beginnt um 8 Uhr 15 der Unterricht. Etwa um 10 Uhr kann ein zweites Frühstück eingenommen werden, während um 13 Uhr Mittagessen ist. Nachmittags ab 15 Uhr ist entweder Unterricht, oder Erledigung von Hausarbeiten. Zum Abendessen versammeln sich die Teilnehmer um 18 Uhr. Bis 22 Uhr 15 hat jeder Zeit, den Abend auszufüllen. Ab 22 Uhr 15 jedoch herrscht Bettruhe."

Die Schüler, die nach Malente kamen um die Betriebsleiterlehrgänge zu besuchen, blieben ca. 6 Monate im Internat der Molkerei-Lehranstalt. Während dieser Zeit war aber nicht nur der tägliche Unterricht zu absolvieren, sondern es wurden auch "Besichtigungen von Molkereibetrieben, Maschinenfabriken und sonstigen mit der Milchwirtschaft in engem Zusammenhang stehenden Anstalten gemacht."
Der Unterricht wurde nach dem allgemeinen Lehrplan für Betriebsleiterlehrgänge durchgeführt. Der Lehrplan war festgeschrieben in § 16 der "Anstaltsordnung und Unterrichtsplan der Molkerei-Lehranstalt Malente." Dort hieß es:

§ 16 Unterrichtsplan:
Die Betriebsleiterlehrgänge dauern etwa ein halbes  Jahr. Der Beginn des Winterlehrganges liegt Anfang Oktober. Der allgemeine Lehrplan umfasst folgende Fächer:
  1. Allgemeine Milchwirtschaft einschl. der milchwirtscharftlichen Technik,
  2. milchwirtschaftliche Betriebslehre einschl. Genossenschaftswesen und milchwirtschaftliches Rechnen,
  3. Staatskunde,
  4. Buchführung,
  5. Maschinenkunde einschl. Physik,
  6. Bakteriologie nebst praktischen Übungen und Milchhygiene,
  7. Chemie nebst praktischen Übungen,
  8. Tierzucht und Fütterungslehre.
Neben Förderung der Allgemeinbildung wird das Hauptgewicht beim Unterricht auf die eingehende Behandlung der milchwirtschaftlichen Fragen gelegt. Der Unterricht in der allgemeinen Chemie, Physik und Bakteriologie sowie in den landwirtschaftlichen Hilfsfächern wird nur soweit getrieben, als für das Verständnis der Vorgänge in der Milchwirtschaft unbedingt erforderlich ist...."

Der Bericht von Dr. Quast endet mit dem Hinweis auf das grundsätzlich angestrebte Lehrgangsziel. Er schrieb dazu:

"Alle Teilnehmer, die hier das erforderliche Fachwissen erhalten, sollen nicht etwa als halbe Wissenschaftler auf die Praxis losgelassen werden, sondern sie sollen durch den Besuch der Lehranstalt ganze Praktiker werden."